
    


Zeus und Hermes

 Hermes, griechischer Götterbote, Sohn des Zeus und der Nymphe Maia, ein sehr alter Gott, dessen Verehrung weit verbreitet war. Er galt als Patron der Wanderer, Kauf- leute, Hirten und Schelme und begann sein Leben gleich mit einigen Schelmenstreichen. So berichtet die Sage, dass er noch am Tage seiner Geburt in einer Höhle des arkadischen Berges Kyllene die Leier erfand, die er aus einer Schildkröte herstellte, und seinem Bruder Apollon eine Rinderherde stahl, die er rückwarts trieb, wobei er seine eigenen Spuren mit verkehrt herum angezogenen Sandalen verwischte.

   

 Als er zur Rechenschaft gezogen werden sollte, lag er friedlich schlummernd in seiner Wiege. Nach einer anderen Version musste er seinem Bruder die Rinder schliesslich doch zurückgeben, nach einer anderen behielt er sie und schenkte Apollon dafur die Leier. Apollon gab ihm einen Zauberstab, der zusammen mit dem geflügelten Reisehut und den Flügelschuhen charakteristisch für Hermes wurde. Mit diesem Stab konnte er die Menschen einschläfern und wieder aufwecken, später wurde der Zauberstab eher als Heroldsstab (Kerykeion) verstanden, d. h. als Attribut des Göterboten.

 

 Etymologisch hängt der Name Hermes mit dem grie- chischen hermaion d.h. Steinhaufen zusammen. Dem Hermes waren die den Wanderern zur Orien- tierung überall verbreiteten Steinhaufen heilig, ebenso die vor den Häusern aufgestellten Hemnen, pfeilerförmige Bildmaler, mit bärtigem Hermeskopf, Armansätzen und Phallos, die als Weg - und Grenz- zeichen dienten, aber auch die Behausungen der Menschen schützen sollten. - Neben den Einzel- aufgaben, die ihm die olympischen Götter von
Fall zu Fall übertrugen, und seiner Funktion als Reisebe- gleiter, führte Hermes als Psychopompos (= See- lengeleiter) die Seelen der Toten ins Jenseits.


 In letzteren Zusammenhang gehört es, dass man am dritten Tag der Anthe- sterien, die als Frühlings -und Totenfest gefeiert wurden, ihm Töpfe mit Speisen als Opfer hinstellte, wobei gleichzeitig für die Toten gebetet wurde. - Als Gott der Hirten, der die Fähigkeit besass, die Herden zu vermehren, wurde Hermes manchmal mil einem Widder dargestellt. Da er schon als Säugling seinen Bruder erfolgreich bestohlen hatte, galt er auch als Gott des "glücklichen Fundes", Her- maion genannt d. h., er war für Diebstahl und Raub zuständig. Wegen seiner ungeheuren Schlauheit schrieb man ihm allerlei Erfindungen zu, sah in ihm aber auch einen Heiler auf geistigem Gebiet und verehrte ihn z. B. als Patron der Redner. Ebenso stellte sich die Jugend bei den Wettkämpfen sportlicher Art unter seinen Schutz, eingedenk seiner eigenen Jugendlichkeit und seiner Schnelligkeit. - Im Hellenismus änderte sich das Hermes -Bild unter ägyptischem
Einfluss. Als Trismegistos (der Dreimalgrösste) nahm Hermes Züge eines mystischen Allgottes an. - Dem griechischen Hermes
entsprach bei den Römern Mercurius.

Hermes und die Nymphen

 
 
 
  
|
|
|
|
|
|
|
|
|