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Hestia
Sie war eine jungfräuliche Göttin, die, obwohl Poseidon und Apollon um sie warben, ewig Jung-
frau zu bleiben schwur und ihr auf diesen Wunsch hin Zeus immerwährende Jungfräulichkeit ge -
währte.Auf einem Fest der Götter wollte der lü-
sterne Gott Priapos die schlafende Hestia verge-
waltigen. Das Geschrei eines Esels bewirkte, dass Hestia aufwachte und fliehen konnte. Aus Wut wurde das Tier von Priapos erschlagen. Als Dio-
nysos in die olympische Götterfamilie aufgenom-
men werden sollte, trat Hestia aus dem Amt zu-
rück und gab den Platz frei. Wie der ihr heilige Herd der Mittelpunkt des häuslichen Lebens war, so war sie die Göttin der Häuslichkeit und alles häuslichen Segens, und da man den Göttern auf dem Herd opferte, so brachte man ihr, als der Vorsteherin der Opfer, beim Opferschmaus zu Anfang und zu Ende heilige Spenden dar.
Dem reinen und keuschen Wesen der Göttin entsprechend, konnte ihre künstlerische Darstellung nur den Ausdruck der strengsten Sittlichkeit an sich tragen. Man pflegte sie sitzend oder ruhig dastehend mit ernstem Gesichtsausdruck und stets völlig bekleidet darzustellen. Im ganzen gab es im Al-
tertum nur wenige Statuen der Hestia, die berühmteste war die des Skopas. In erhaltenen Statuen ist Hestia noch nicht sicher nachgewiesen, man bezieht auf sie gewöhnlich die Sagen. "Giustinianische Vesta" im Museo Torlonia in Rom (s. Abbildung), eine weibliche Gewandstatue strengen Stils, etwa aus der Zeit der Giebelfiguren des Zeustempels zu Olympia und diesen formenverwandt. Die der Hestia entsprechende und später ihr gleichgesetzte Göttin der Römer ist die Feuergöttin Vesta, die aber im öffentlichen Leben derselben eine ungleich wichtigere Rolle spielt.
Bei dem Herd und bei dessen Göttin schwur man heilige Eide; bei Verträgen wurde Hestia vor allen Göttern angerufen. Der Herd war ein Asyl für Schutzflehende und Hestia mit Zeus die Schutzgottheit derselben. Naturgemäß wurde die Schutzgöttin des Hauses auch Beschützerin jeder staatlichen Vereinigung. Deshalb war in den griechischen Staaten das Prytaneion der Hestia geweiht, und sie hatte dort einen Altar, auf dem ihr zu Ehren ein ewiges Feuer unterhalten wurde. Von diesem Altar nahmen die in die Ferne ziehenden Kolonisten Feuer mit für den Herd ihrer künftigen Niederlassung.
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